Grundlagenmusik

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ARGO: Essel, Hoffmann, Stett
Wunderlich, Rom
Audience

Connections
Experimentelle Musik
Stephan Wunderlich
René Bastian
Hans-Leo Rohleder
Rolf Langebartels
SKOP Frankfurt

Verein für experimentelle Musik Darmstadt

Stimme steuert Bilder

(Hans Essel, 1993)

Der Verein für experimentelle Musik Darmstadt e.V. eröffnete seine Reihe ,"Korrelationen" mit dem Heidelberger Künstler Jörg Burkhard.

Die Installation: ein Stahlregal mit Verstärkern, Mischpulten, Kassettenrekordem, selbstgebauter Miniaturelektronik und E-Gitarre, durch ein winziges Lämpchen schwach erleuchtet, daneben auf zwei Holzböcken zwei SW-Fernseher übereinander. Burkhard greift zum kabellosen Mikrophon: Die Gitarre schlägt an, Fernsehbilder blitzen auf, Mainz und Köln, der Jahreszeit gemäß.

Man braucht Minuten, die Wahrnehmung zu schärfen und auf Wichtiges zu konzentrieren. Dann hört man verschiedenste Klangfarben der offenen Gitarrensaiten und bemerkt die Helligkeitsunterschiede der Bilderfetzen. Alles gesteuert durch die unhörbaren Laute, die Burkhard ins Mikrophon - spricht? singt?

Manchmal verändert Burkhard manuell an den Mischpulten die Grundklangfarbe der Gitarre oder schaltet die Sprachspuren der Kassettenrekorder zu. Die Sprache, eigene Texte von ihm selbst auf die Bänder gesprochen, wird dann ebenso zerhackt wie die Bilder und wie Musikmaterial behandelt. Manchmal schaltet er ein Digitalecho ein und die Maschinerie läuft in der Schleife, kontrapunktiert von den Bilderblitzen. Die Gitarrensaiten werden durch Elektromagnete angeregt, die vom Ausgang der Kassettenrekorder gespeist werden. Die Stärke dieser Kopplung wird vom Mikrophon gesteuert ebenso wie die Helligkeit der Fernsehbilder.

Klangfelder veschiedenster Charakteristik werden durchmessen. Mal hart und bedrohend mit hämmernder Rhythmik, dann wieder sanft ausschweifend. Die Fernseher werden als Instrument ,,gespielt". Die Suggestiviät der Fernsehbilder ist noch da, aber von deren Inhalt abstrahiert. Diese Inhalte, verzerrte Figuren, bekommen keine Zeit, den Betrachter zu fesseln. Die zeitweilig zugeschalteten Textfelder werden durch die Mikrophonsteuerung in analoger Weise in Fetzen und Bruchstücke von Phonemen zerrissen: Sprache reduziert auf Artikulationsrnaterial, letztlich Musik.

Burkhard hat sich ein sehr komplexes, nicht vollständig determiniertes Instrument geschaffen, das er improvisierend auslotet. Es bietet ihm eine grosse Spanne von Ausdrucksmöglichkeiten, behält aber immer einen unverwechselbaren Charakter, der auch in seinen anderen Arbeiten zu finden ist. ,,waiting muzak 190293" war ein Erlebnis, das noch zu angeregter Diskussion Anlaß gab.